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Gravitation
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Die Gravitation (von lateinisch gravitas fĂŒr „Schwere“),cite-ref-1[1] auch Massenanziehung oder Gravitationskraft, ist eine der vier GrundkrĂ€fte der Physik. Sie Ă€ußert sich in der gegenseitigen Anziehung von Massen. Sie nimmt mit zunehmender Entfernung der Massen ab, besitzt aber unbegrenzte Reichweite. Im Gegensatz zu elektrischen oder magnetischen KrĂ€ften lĂ€sst sie sich nicht abschirmen.

Auf der Erde bewirkt die Gravitation (Erdanziehungskraft), dass alle Körper nach „unten“, d. h. in Richtung Erdmittelpunkt, fallen, sofern sie nicht durch andere KrĂ€fte daran gehindert werden. Im Sonnensystem bestimmt die Gravitation die Bahnen der Planeten, Monde, Satelliten und Kometen und im Kosmos die Bildung von Sternen und Galaxien sowie dessen Entwicklung im Großen.

Der Begriff Schwerkraft wird oft synonym zu „Gravitation“ verwendet. In manchem Zusammenhang – insbesondere in den Geowissenschaften – kann „Schwerkraft“ bzw. „Schwerefeld“ jedoch auch die Kombination aus Gravitationsfeld („Erdanziehung“) und Zentrifugalkraft (als TrĂ€gheitskraft aufgrund der Erdrotation) bedeuten.

Im Rahmen der klassischen Physik wird die Gravitation mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz beschrieben, d. h. als eine instantan, also unmittelbar und ohne Zeitverlust durch den leeren Raum wirkende Fernwirkungskraft. Ein grundlegend anderes VerstĂ€ndnis der Gravitation ergibt sich aus der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie nach Albert Einstein. Hierbei wirkt die Gravitation nicht in Form einer Kraft auf die Körper, sondern entspricht einer KrĂŒmmung der vierdimensionalen Raumzeit, wobei die Bahnen der Körper, auf die keine weiteren KrĂ€fte wirken, einer kĂŒrzesten Linie im gekrĂŒmmten Raum, d. h. einer GeodĂ€te, entsprechen.

Contents

‱ Antike
‱ Orient
‱ Kopernikus
‱ Kepler
‱ Newton
‱ Einstein
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichtlicher Überblick

Antike

Der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb in der Antike im Rahmen seiner Kosmologie die Schwere als diejenige Eigenschaft der sublunaren Elemente (Erde, Wasser, Luft, Feuer), die alle aus diesen Elementen bestehenden Körper zum Mittelpunkt der Welt streben lĂ€sst. Diese Vorstellung war lange das physikalische Hauptargument fĂŒr das geozentrische Weltbild.

Orient

Altindische Autoren fĂŒhrten den freien Fall auf eine Kraft zurĂŒck, die proportional zur Masse eines Objektes ist und in Richtung des Erdmittelpunkts wirkt. Der persische Astronom Muhammad ibn Musa erklĂ€rte im 9. Jahrhundert die Bewegungen der Himmelskörper durch eine Anziehungskraft. Al-BÄ«rĆ«nÄ« ĂŒbersetzte im 11. Jahrhundert die Werke der indischen Autoren ins Arabische und ins Persische. Sein Zeitgenosse Alhazen formulierte eine Theorie der Massenanziehung. Der Perser Al-Khazini stellte im 12. Jahrhundert die Vermutung auf, dass die StĂ€rke der Erdanziehung abhĂ€ngig vom Abstand zum Erdmittelpunkt ist, und unterschied zwischen Masse, Gewicht und Kraft.

SpÀtscholastik

Ein bedeutender Kritiker der peripatetischen (aristotelischen) Physik und Vorbereiter des kopernikanischen Weltbildes war der SpĂ€tscholastiker Nikolaus von Oresme. Er hielt im 14. Jahrhundert die Erdrotation fĂŒr wahrscheinlich und beschrieb die Möglichkeit vieler Welten sowie vieler gravitativer Zentrencite-ref-2[2] – im Gegensatz zu einer ruhenden, im Mittelpunkt des Universums liegenden und alles Schwere anziehenden Erde.

Kopernikus

Nikolaus Kopernikus ging 1543 in De revolutionibus orbium coelestium davon aus, dass außer der Erde auch alle anderen Himmelskörper Gravitation ausĂŒben:

„
 Ich bin wenigstens der Ansicht, dass die Schwere nichts Anderes ist, als ein von der göttlichen Vorsehung des Weltenmeisters den Theilen eingepflanztes, natĂŒrliches Streben, vermöge dessen sie dadurch, dass sie sich zur Form einer Kugel zusammenschließen, ihre Einheit und Ganzheit bilden. Und es ist anzunehmen, dass diese Neigung auch der Sonne, dem Monde und den ĂŒbrigen Planeten innewohnt 
“cite-ref-3[3]

Kepler

Johannes Kepler veröffentlichte 1609 in seiner Astronomia nova folgende Axiome:cite-ref-4[4]

‱ Jede körperliche Substanz ist, insofern sie körperlich ist, von Natur aus dazu geneigt, an jedem Ort zu ruhen, an dem sie sich allein befindet, außerhalb des Kraftbereichs eines verwandten Körpers.
‱ Die Schwere besteht in dem gegenseitigen körperlichen Bestreben zwischen verwandten Körpern nach Vereinigung oder Verbindung (von dieser Ordnung ist auch die magnetische Kraft), so dass die Erde viel mehr den Stein anzieht; als der Stein nach der Erde strebt.
‱ Das Schwere wird [
] nicht zum Weltmittelpunkt als solchen hingetrieben, sondern als den Mittelpunkt eines verwandten runden Körpers 

‱ WĂ€re die Erde nicht rund, so wĂŒrde das Schwere nicht ĂŒberall geradlinig auf den Mittelpunkt der Erde zu, sondern von verschiedenen Seiten aus nach verschiedenen Punkten hingetrieben.
‱ Wenn man zwei Steine an einen beliebigen Ort der Welt versetzen wĂŒrde, nahe beieinander außerhalb des Kraftbereichs eines dritten verwandten Körpers, dann wĂŒrden sich jene Steine Ă€hnlich wie zwei magnetische Körper an einem zwischenliegenden Ort vereinigen, wobei sich der eine dem andern um eine Strecke nĂ€hert, die der Masse des andern proportional ist.
‱ Der Bereich der Anziehungskraft des Mondes erstreckt sich bis zur Erde.

17. Jahrhundert

Ebenfalls Anfang des 17. Jahrhunderts beschrieb Galileo Galilei den freien Fall eines Körpers als gleichmĂ€ĂŸig beschleunigte Bewegung, die unabhĂ€ngig von seiner Masse oder sonstigen Beschaffenheit ist.

In seinem 1636 erschienenen Werk TraitĂ© de mĂ©canique des poids soutenus par des puissances sur des plans inclinĂ©s Ă  l’horizontale entwickelte Gilles Personne de Roberval die Idee einer Gravitationskraft, also Jahre vor entsprechenden Veröffentlichungen von Robert Hooke und Isaac Newton.cite-ref-5[5] RenĂ© Descartes erklĂ€rte die Schwerkraft als Folge seiner Wirbeltheorie. 1644 veröffentlichte er die Principia philosophiae, welche großen Einfluss hatten – auch auf die Kritik durch Isaac Newton – denn die Kometen konnten offensichtlich nicht mit Descartes’ Modell erklĂ€rt werden. Dass Kometen die SphĂ€ren bzw. die Bahnen der Planeten durchdringen bzw. kreuzen, war seit Tycho Brahe und dem Kometen von 1577 die vorherrschende Meinung.cite-ref-6[6]

Der englische Gelehrte Robert Hooke erklĂ€rte um 1670 die Wirkung der Gravitation mit „Gravitationstrichtern“. Er erklĂ€rte, dass die Gravitation eine Eigenschaft aller massebehafteten Körper sei und umso grĂ¶ĂŸer, je nĂ€her sich zwei Körper zueinander befĂ€nden. Die Theorie, dass die Schwerkraft umgekehrt proportional zum Quadrat des Abstands vom Massezentrum ist, taucht 1680 in einem Brief Hookes an seinen Landsmann Newton erstmals auf.

Newton

Isaac Newton beschrieb in seinen Principia (1687) als erster die Gravitation mithilfe einer mathematischen Formel. Dieses von ihm formulierte Gravitationsgesetz ist eine der Grundgleichungen der klassischen Mechanik, der ersten physikalischen Theorie, die sich auch in der Astronomie anwenden ließ. Ihr zufolge ist die Gravitation eine Kraft zwischen zwei Körpern, die diese zu ihrem gemeinsamen Schwerpunkt hin beschleunigt, wobei ihre StĂ€rke proportional zum Quadrat des Abstandes der Körper abnimmt. Die Newtonsche Theorie, vollendet um 1800 von Pierre-Simon Laplace, liefert ein grundlegendes VerstĂ€ndnis der Dynamik des Sonnensystems mit der Möglichkeit prĂ€ziser Vorhersagen der Bewegung von Planeten, Monden und Kometen. Sie bestĂ€tigt die keplerschen Gesetze der Planetenbewegung fĂŒr einzelne Planeten, lĂ€sst aber darĂŒber hinaus den störenden Einfluss der anderen Planeten und Monde ermitteln. Die danach berechneten Werte stimmten lange Zeit mit den entsprechenden astronomischen und irdischen Beobachtungen und Experimenten vollkommen ĂŒberein. Die erste so nicht erklĂ€rbare Diskrepanz wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an der Periheldrehung der Bahn des Merkur entdeckt.

Alternative Theorien im 18. und 19. Jahrhundert

Zur ErklĂ€rung der Gravitation im Sinne eines Prozessgeschehens wurden weiterhin bis zur Entwicklung der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie im frĂŒhen 20. Jahrhundert eine Reihe mechanischer, kinetischer ErklĂ€rungen vorgeschlagen (siehe Mechanische ErklĂ€rungen der Gravitation). Eine der bekanntesten ist die von Fatio und Le Sage entwickelte Theorie der Le-Sage-Gravitation. Diese argumentiert, dass die Gravitationsanziehung zweier Körper auf der Abschirmung des aus Richtung des jeweils anderen wirkenden Drucks beruht. Im Zusammenhang hiermit stehen die Theorien eines Äthers als Vermittler von Wechselwirkungen (anstelle einer Fernwirkung) wie etwa der elektromagnetischen Wechselwirkung. Einige der letzten dieser Theorien waren die um 1900 entstandene Lorentzsche Äthertheorie, die schließlich von dem neuartigen Ansatz der einsteinschen RelativitĂ€tstheorie verdrĂ€ngt wurde und die Gerbersche Gravitation, welche zwar in erster NĂ€herung die Periheldrehung des Merkur richtig voraussagt, aber die Lichtablenkung an Massen nicht.

Einstein

In der 1916 von Albert Einstein aufgestellten allgemeinen RelativitĂ€tstheorie (ART) wird die Gravitation auf eine geometrische Eigenschaft der Raumzeit zurĂŒckgefĂŒhrt.cite-ref-7[7] Er nimmt an, dass die Raumzeit durch die Anwesenheit von Masse und jeder Form von Energie gekrĂŒmmt wird. Das ermöglicht, die Gravitation grundsĂ€tzlich anders zu interpretieren als die anderen KrĂ€fte, nĂ€mlich als TrĂ€gheitskraft. Nach dem Äquivalenzprinzip kann die Wirkung der Gravitation nicht von der Auswirkung einer Beschleunigung des Bezugssystems unterschieden werden; insbesondere heben sich in einem frei fallenden Bezugssystem die Wirkungen von Gravitation und Beschleunigung exakt auf. Man sagt, die Gravitation sei durch den Übergang zu den neuen Koordinaten „wegtransformiert“. Allerdings gilt dies jeweils nur fĂŒr einen Ort (lokal), weil jedes reale Gravitationsfeld fĂŒr benachbarte Orte verschiedene Beschleunigungen bewirkt, die nicht zugleich „wegtransformiert“ werden können. In der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie wird jedem Punkt im Raum ein eigenes, lokales Inertialsystem zugeordnet, in dem es keine Gravitation gibt und wo die spezielle RelativitĂ€tstheorie mit ihrer vierdimensionalen, flachen Raumzeit gilt. Analog dazu, dass nach Galilei krĂ€ftefreie Bewegungen geradlinig und gleichförmig verlaufen, bewegen sich in der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie Körper ohne nichtgravitative KrĂ€fte auf GeodĂ€ten in einem „gekrĂŒmmten“ Raum mit riemannscher Geometrie. Zur Bestimmung der an einem Punkt herrschenden KrĂŒmmung der Raumzeit dienen die einsteinschen Feldgleichungen. Sie wurden so formuliert, dass im Grenzfall schwacher Gravitation die nach ihnen berechneten Ergebnisse mit denen ĂŒbereinstimmen, die nach der Newtonschen Gleichung berechnet werden. Die allgemeine RelativitĂ€tstheorie behandelt die Gravitation also als TrĂ€gheitskraft und stellt sie mit Zentrifugalkraft, Corioliskraft oder der Kraft, die man in einem Fahrzeug beim Anfahren oder Abbremsen spĂŒrt, auf eine Stufe.

Innerhalb des Sonnensystems, wo schwache Felder bzw. eine geringe KrĂŒmmung der Raumzeit vorherrschen, ergeben sich nur geringe Abweichungen von den Vorhersagen des Newtonschen Gravitationsgesetzes. Das erste erfolgreiche Anwendungsbeispiel der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie war die ErklĂ€rung der kleinen Abweichung zwischen der beobachteten Periheldrehung der Bahn des Merkur und dem Wert, der nach der Newtonschen Theorie aufgrund der Bahnstörungen durch die anderen Planeten vorhergesagt wird.

Bei starker KrĂŒmmung, wie sie durch die Konzentration einer großen Masse auf kleinem Raum hervorgerufen wird, werden völlig neue PhĂ€nomene wie z. B. Schwarze Löcher vorhergesagt.

Als Quelle wie auch als Angriffspunkt der Gravitation gilt in der Newtonschen Mechanik allein die Masse. Ausgehend von dem ursprĂŒnglich ungenauen Begriff einer gegebenen Materiemenge erfuhr die Masse hier ihre erste prĂ€zise physikalische Definition. In der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie ist die Gravitation Ausdruck der KrĂŒmmung der Raumzeit, die ihrerseits nicht nur von der Anwesenheit von Materie, sondern auch von Energie in jeder Form, auch der Gravitationsenergie selbst, und darĂŒber hinaus von Massen- und Energieströmen beeinflusst ist. Alle der Beobachtung zugĂ€nglichen Vorhersagen der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie wurden durch Messungen bestĂ€tigt.

In der Newtonschen Gravitation ging man noch von einer instantanen oder augenblicklichen Ausbreitung der Gravitationswirkung aus, das heißt, dass die Wirkung auch ĂŒber große Entfernungen sofort erfolgt. Innerhalb der einsteinschen Sichtweise gilt jedoch, dass sich keine Wirkung, also auch nicht die Gravitationswirkung, schneller als mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Durch eine schnelle VerĂ€nderung der Position von Massen, wie zum Beispiel bei schnell kreisenden Doppelsternen oder beim Kollaps eines Sternes werden vielmehr Gravitationswellen erzeugt, die sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten. Auch dies wurde durch Beobachtung bestĂ€tigt.

Quantengravitation

Experimentell nicht zugĂ€nglich sind extrem hohe Konzentrationen von Masse bzw. Energie auf engstem Raum, fĂŒr deren Beschreibung neben der Gravitation auch Quanteneffekte berĂŒcksichtigt werden mĂŒssen. Versuche einer Quantenfeldtheorie der Gravitation gibt es in AnsĂ€tzen. Es mangelt allerdings an Vorhersagen, die sowohl berechenbar als auch beobachtbar wĂ€ren. Das Grundproblem dabei ist, dass sich bei solchen Konzentrationen schnell Schwarze Löcher bilden, in deren Innerem sich Quanteneffekte abspielen, die sich einer Beobachtung entziehen.

Modifizierte Newtonsche Dynamik (MOND)

Das PhĂ€nomen „Dunkle Materie“ steht fĂŒr die Differenz zwischen den beobachteten und den nach den Modellen von Kepler, Newton und Einstein zu erwartenden Massen beim Rotationsverhalten von Galaxien und Galaxienhaufen. Statt zusĂ€tzlicher, nicht sichtbarer Masse schlug Mordehai Milgrom 1983 vor, dass eine Änderung der Newtonschen Bewegungsgesetze die Ursache fĂŒr die beobachteten Rotationskurven sein könnte. GemĂ€ĂŸ der „MOND-Hypothese“ hat die Änderung nur bei sehr kleinen Beschleunigungen, wie sie im astronomischen Maßstab auftreten, einen relevanten Einfluss auf die Bewegungen.

BefĂŒrworter der „Modifizierten Newtonschen Dynamik“ fĂŒhren an, dass die Newtonsche Gravitationstheorie von 1686 bereits drei Modifikationen erfahren hat. Bei sehr kleinen AbstĂ€nden verwenden Physiker ausschließlich die Quantenmechanik, bei sehr großen Geschwindigkeiten Einsteins spezielle RelativitĂ€tstheorie und nahe sehr großer Massen seine allgemeine RelativitĂ€tstheorie.

Gravitation in der klassischen Mechanik

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Hauptartikel

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Gravitationsfeld

und

Newtonsches Gravitationsgesetz

In der klassischen Mechanik ist die Gravitation oder allgemeine Massenanziehung eine Eigenschaft aller Materie, die nur von deren Masse abhĂ€ngt, nicht aber von deren Art oder Bewegung. Die Gravitation drĂŒckt sich in der Gravitationskraft oder dem Gravitationsfeld aus, das von jeder Masse erzeugt wird, auf jede andere Masse anziehend wirkt und unendliche Ausbreitungsgeschwindigkeit und Reichweite besitzt. Das Newtonsche Gravitationsgesetz gibt die momentane Kraft F G {\displaystyle F_{\mathrm {G} }} an, mit der zwei punktförmig gedachte Körper mit den Massen m 1 {\displaystyle m_{1}} und m 2 {\displaystyle m_{2}} im Abstand r {\displaystyle r} einander anziehen ( G {\displaystyle G} ist die universelle Gravitationskonstante):

F G = G m 1 m 2 r 2 {\displaystyle F_{\mathrm {G} }=G{\frac {m_{1}m_{2}}{r^{2}}}}

Diese Kraft ist fĂŒr beide Körper gleich groß, jedoch entgegengesetzt gerichtet. Wenn keine weiteren KrĂ€fte wirken, erfĂ€hrt jeder der beiden Körper eine Beschleunigung zum anderen hin. Diese Momentanbeschleunigung a {\displaystyle a} kann mithilfe des zweiten Newtonschen Gesetzes F = m a {\displaystyle F=ma} berechnet werden. Es ergibt sich beispielsweise fĂŒr den Körper 1:

a 1 = F 1 m 1 = G m 2 r 2 {\displaystyle a_{1}={\frac {F_{1}}{m_{1}}}=G{\frac {m_{2}}{r^{2}}}}

Die Momentanbeschleunigung des Körpers 1 hĂ€ngt also nicht von seiner Masse m 1 {\displaystyle m_{1}} ab, sondern von der Masse m 2 {\displaystyle m_{2}} des anderen Körpers. Der Körper 2 erteilt somit in einem bestimmten Abstand jedem anderen Körper, unabhĂ€ngig von dessen Masse, die gleiche Beschleunigung. Umgekehrt gilt das Gleiche fĂŒr die Beschleunigung, die Körper 1 jedem anderen Körper im Abstand r {\displaystyle r} erteilt:

a 2 = F 2 m 2 = G m 1 r 2 {\displaystyle a_{2}={\frac {F_{2}}{m_{2}}}=G{\frac {m_{1}}{r^{2}}}}

Die Beschleunigungen sind daher indirekt proportional zu den beschleunigten Massen: a 2 / a 1 = m 1 / m 2 {\displaystyle a_{2}/a_{1}=m_{1}/m_{2}} . Nimmt man fĂŒr den Körper 2 die Erde und fĂŒr den Körper 1 einen beliebigen Gegenstand des tĂ€glichen Lebens, so bedeutet dies, dass die Erde aufgrund ihrer viel grĂ¶ĂŸeren Masse nur eine unmessbar kleine Beschleunigung durch Körper 1 erfĂ€hrt. Sie kann deshalb als ruhend angenommen werden. Körper 1 erfĂ€hrt von ihr jedoch eine Beschleunigung, die zwar vom Abstand vom Erdmittelpunkt abhĂ€ngt, nicht jedoch von der Masse m 1 {\displaystyle m_{1}} . Dies erklĂ€rt die von Galileo Galilei zuerst ausgesprochene Tatsache, dass im leeren Raum (also ungehindert durch andere KrĂ€fte oder WiderstĂ€nde) alle Körper unabhĂ€ngig von ihrer Masse die gleiche Fallbeschleunigung erfahren. Die Gleichheit der Fallbeschleunigung wird auch als das Prinzip der Äquivalenz von trĂ€ger und schwerer Masse (in seiner schwachen Formulierung) bezeichnet.

Sind die Massen der beiden Körper nicht so stark voneinander verschieden wie in dem vorangehenden Beispiel, so fĂŒhren beide Körper beschleunigte Bewegungen aus, wobei der Gesamtschwerpunkt zwischen den beiden Massen als ruhender Bezugspunkt gewĂ€hlt werden kann (siehe Schwerpunktsatz). Wenn beide Körper aus der Ruhe starten, so stĂŒrzen sie auf gerader Strecke aufeinander zu, bis sie sich treffen. (In der Abstraktion als Punktmassen wĂŒrde dies im Gesamtschwerpunkt geschehen.)

Wenn sie jedoch jeweils eine Anfangsgeschwindigkeit im Schwerpunktsystem haben, so fĂŒhren sie Bewegungen aus, deren Bahnkurven in einer gemeinsamen Ebene liegen; das verlangt der Drehimpulserhaltungssatz. Welche Form diese Bahnkurven haben, hĂ€ngt von den Geschwindigkeiten der beiden Körper ab (siehe Zweikörperproblem). Eine mögliche Lösung sind Ellipsenbahnen, wobei der Schwerpunkt jeweils einen Brennpunkt der beiden Ellipsen bildet. Ein Beispiel dafĂŒr ist das System Erde-Mond, bei dem die Masse der Erde so groß ist, dass der gemeinsame Schwerpunkt sogar im Inneren der Erde liegt.

Systeme, die aus drei oder mehr Körpern bestehen, die sich gegenseitig anziehen, verhalten sich oft chaotisch und sind mit analytischen Methoden nicht berechenbar (siehe Drei-Körper-Problem). Es gibt jedoch hilfreiche NÀherungen. Im Sonnensystem beispielsweise ist die Masse der Planeten im Vergleich zur Sonnenmasse sehr gering. Wenn man davon ausgeht, dass die Sonne deshalb von den Planeten nicht beeinflusst wird und dass die Planeten untereinander nicht wechselwirken, dann ergeben Berechnungen mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz die Keplerschen Bahnellipsen der Planeten.

Die klassische Beschreibung der Gravitation ist also fĂŒr viele AnwendungsfĂ€lle hinreichend genau. Abweichungen treten allerdings im Zusammenhang mit sehr prĂ€zisen Messungen auf, z. B. bei der Periheldrehung des Merkur, und die klassische Beschreibung versagt völlig bei extremen Bedingungen, die z. B. bei Schwarzen Löchern vorliegen.

Die Gewichtskraft eines Körpers auf der ErdoberflĂ€che wird maßgeblich durch die Gravitation bestimmt. Weiter tragen TrĂ€gheitskrĂ€fte zur Gewichtskraft bei; z. B. wirkt die Fliehkraft, die sich aus der Erdrotation ergibt, der Gravitation etwas entgegen. Gravitation und TrĂ€gheitskrĂ€fte zusammen bilden das Schwerefeld.

Gravitationskonstante

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Hauptartikel

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Gravitationskonstante

Die Gravitationskonstante G {\displaystyle G} ist eine Fundamentalkonstante der Physik. Ihre genaue Bestimmung ist sehr schwierig, denn zwischen zwei Körpern, deren Masse durch direkte WĂ€gung bestimmt werden kann, ist die Gravitationskraft Ă€ußerst gering. Ihr Wert ist daher nur auf vier Dezimalstellen bekannt, im Unterschied zu den mindestens acht Dezimalstellen anderer Fundamentalkonstanten.cite-ref-8[8]

Die erste Bestimmung gelang 1798 Henry Cavendish. Das in seinem Labor durchgefĂŒhrte, von John Michell erdachte Experiment (Gravitationswaage) hat historische Bedeutung fĂŒr die Entwicklung der experimentellen und theoretischen Grundlagen der Gravitation.

Allgemeine RelativitÀtstheorie

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Hauptartikel

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Allgemeine RelativitÀtstheorie

In der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie (ART) wird die Gravitation nicht wie eine Kraft im Sinne der klassischen Physik behandelt. Im Unterschied zu den gewöhnlichen klassischen Feldtheorien, in denen die Koordinaten fĂŒr Ort und Zeit in einer festen Struktur vorgegeben werden, betrachtet die ART diese Struktur selbst als verĂ€nderlich. Als Grundlage nutzt sie die aus der speziellen RelativitĂ€tstheorie bekannte Raumzeit, in der Orts- und Zeitkoordinaten in einer vierdimensionalen pseudo-riemannschen Mannigfaltigkeit zusammengefasst sind. Diese Raumzeit ist in der ART aber nicht mehr „flach“ wie in der Euklidischen Geometrie, sondern wird durch das Auftreten von Masse oder Energie „gekrĂŒmmt“. Die KrĂŒmmung ergibt sich an jedem Punkt der Raumzeit aus der Metrik, die den vierdimensionalen Abstand zwischen zwei Punkten der Raumzeit, also zwischen zwei Ereignissen, definiert. Bei dessen Berechnung wird das zeitliche Abstandsquadrat mit positivem, die drei rĂ€umlichen Abstandsquadrate aber mit negativem Vorzeichen gewertet (gelegentlich auch mit umgekehrtem Vorzeichen, siehe Vorzeichenkonventionen). Ein Körper, auf den außer der Gravitation keine weiteren KrĂ€fte wirken, bewegt sich nun zwischen zwei Ereignissen (z. B. Abfahrt und Ankunft) stets entlang derjenigen Verbindungslinie, die nach dieser raumzeitlichen Metrik die lĂ€ngste ist (GeodĂ€te). Dort wo die Raumzeit flach ist, ist die GeodĂ€te die gerade Verbindungslinie der beiden Punkte. Umgerechnet in die ĂŒblichen Koordinaten fĂŒr Ort und Zeit entspricht dies einer gleichförmigen Bewegung lĂ€ngs der rĂ€umlichen Verbindungsgeraden, analog zum TrĂ€gheitsgesetz der klassischen Mechanik fĂŒr den völlig krĂ€ftefreien Körper. Bei einer gekrĂŒmmten Raumzeit dagegen entspricht eine GeodĂ€te im Allgemeinen einer beschleunigten Bewegung lĂ€ngs einer rĂ€umlich gekrĂŒmmten Bahn. Die durch die Anwesenheit von Masse oder Energie verursachte KrĂŒmmung der Raumzeit wird durch die einsteinschen Feldgleichungen gerade so festgelegt, dass die GeodĂ€te eine Bewegung wiedergibt, die genau der Bewegung des ansonsten krĂ€ftefreien Körpers im herrschenden Gravitationsfeld entspricht (also freier Fall, Wurfparabel, Planetenbahn etc.). Da die Masse des betrachteten Körpers dabei gar nicht einfließt, gilt fĂŒr Körper mit verschiedener Masse dieselbe GeodĂ€te, d. h., sie bewegen sich in einem gegebenen Gravitationsfeld gleich. Damit ist auch das Äquivalenzprinzip erklĂ€rt, das in der klassischen Physik die Gleichheit von schwerer und trĂ€ger Masse feststellt. Die Gravitation tritt demnach nicht wie in der klassischen Physik als eine bestimmte Kraft auf, die auf den Körper wirkt und eine Beschleunigung verursacht, sondern als eine Eigenschaft der Raumzeit, in der der Körper sich krĂ€ftefrei bewegt. Gravitation wird auf diese Weise als ein rein geometrisches PhĂ€nomen gedeutet.

In diesem Sinne reduziert die allgemeine RelativitĂ€tstheorie die Gravitationskraft auf den Status einer Scheinkraft: Wenn man auf einem Stuhl sitzend fĂŒhlt, wie man durch eine „Gravitationskraft“ zur Erde hin gezogen wird, deutet die ART dies so, dass man von der StuhlflĂ€che fortwĂ€hrend daran gehindert wird, der GeodĂ€te durch die von der Erdmasse gekrĂŒmmte Raumzeit zu folgen, was der freie Fall wĂ€re. Dabei ist die Kraft, mit der die StuhlflĂ€che auf die SitzflĂ€che des Beobachters einwirkt, keineswegs eine Scheinkraft. Sie geht letztlich zurĂŒck auf die elektrostatische Abstoßung bei der BerĂŒhrung der Atome der StuhlflĂ€che durch die Atome des Beobachters. Nach der Sichtweise der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie verschiebt sich also die Interpretation der Ereignisse. WĂ€hrend nach der klassischen Mechanik die Erde ein Inertialsystem darstellt, in dem die nach unten gerichtete Schwerkraft auf den Beobachter durch die nach oben gerichtete StĂŒtzkraft des Stuhls ausgeglichen wird, so dass der Beobachter in Ruhe bleiben kann, stĂŒrzt das nach der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie richtige Inertialsystem mit Erdbeschleunigung g {\displaystyle g} nach unten. Doch in diesem Inertialsystem ĂŒbt der Stuhl eine Kraft auf den Beobachter aus, die ihn konstant mit − − g {\displaystyle -g} nach oben beschleunigt.

Senkrecht frei fallende Körper hingegen, aber auch Satelliten, Planeten, Kometen oder ParabelflĂŒge folgen einer GeodĂ€te durch die Raumzeit. Ihre Bewegungen werden in der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie als (netto) krĂ€ftefrei angesehen, da die Erdmasse (oder Sonnenmasse) durch die RaumzeitkrĂŒmmung die Definition davon beeinflusst, was im Sinne der TrĂ€gheit von Körpern „geradeaus“ bedeutet. Direkter (d. h. dem ĂŒblichen KrĂŒmmungsbegriff eher entsprechend) tritt die RaumzeitkrĂŒmmung z. B. in astronomischen Beobachtungen in Erscheinung, in denen nachgewiesen werden konnte (s. Abb.), dass große Massen die KrĂŒmmung von Lichtstrahlen bewirken.

Aufgrund des RelativitĂ€tsprinzips und der daraus folgenden Invarianz gegenĂŒber Lorentztransformationen trĂ€gt nicht nur Masse, sondern auch jede Form von Energie zur KrĂŒmmung der Raumzeit bei. Dies gilt einschließlich der mit der Gravitation selbst verbundenen Energie. Daher sind die einsteinschen Feldgleichungen nichtlinear. Sie lassen sich jedoch im Bereich schwacher KrĂŒmmung durch lineare Gleichungen annĂ€hern, in denen sich das Newtonsche Gravitationsgesetz wiederfinden lĂ€sst. GegenĂŒber den nach dem Newtonschen Gesetz berechneten PhĂ€nomenen ergeben sich aber kleine Korrekturen, die durch genaue Beobachtungen sĂ€mtlich bestĂ€tigt werden konnten (siehe Tests der allgemeinen RelativitĂ€tstheorie). Völlig neue PhĂ€nomene jedoch ergeben sich bei starker KrĂŒmmung der Raumzeit, hier insbesondere bei Schwarzen Löchern.

Gravitation und Quantentheorie

Quantengravitation

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Hauptartikel

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Quantengravitation

Im Rahmen einer Quantenfeldtheorie wird die Gravitation in linearer NĂ€herung durch den Austausch eines als Graviton bezeichneten masselosen Teilchens beschrieben, das den Spin 2 hat. DarĂŒber hinaus fĂŒhrt schon die Formulierung einer Quantentheorie der Gravitation zu prinzipiellen Problemen, die bisher ungelöst sind. Auch die supersymmetrische Erweiterung fĂŒhrte bisher nicht zu einer konsistenten Theorie. Als derzeit aussichtsreichste Kandidaten gelten die Stringtheorie und die Schleifenquantengravitation. Ein wesentliches Ziel ist dabei, die Gravitation mit den ĂŒbrigen Wechselwirkungen zu einer „Theorie von Allem“ zu vereinen, die alle NaturkrĂ€fte auf einmal beschreiben kann. Das bedeutet, dass die Gravitation, welche die Effekte der Quantenfeldtheorie nicht berĂŒcksichtigt, um diese erweitert wĂŒrde. Ein Ansatz dafĂŒr ist die M-Theorie, nach der unser Universum mit seiner vierdimensionalen Raumzeit in ein elfdimensionales Universum eingebettet ist (siehe Branenkosmologie).

Quantenphysikalische Wirkungen des Gravitationsfelds

Die Wirkung des Gravitationspotentials auf die quantenmechanische Phase der Wellenfunktion wurde 1975 durch ein Interferenzexperiment an freien Neutronen nachgewiesen.cite-ref-9[9] Die Wellenfunktion und Energie von Neutronen, die einen im Gravitationsfeld gebundenen Zustand besetzen, konnte 2012 ausgemessen werden.cite-ref-10[10] In beiden FÀllen bestÀtigen die Messergebnisse die aufgrund der Quantenmechanik berechneten Voraussagen.

Gravitation auf der Erde

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Schwerefeld

Die Erde hat eine Masse von 5,9724·1024 kg. Ihr Radius betrĂ€gt an den Polen 6357 km und, wegen der Erdabplattung, 6378 km am Äquator. Daraus ergibt sich mithilfe des Gravitationsgesetzes von Newton, dass die Gravitationsbeschleunigung zwischen 9,801 m s − − 2 {\displaystyle 9{,}801\,\mathrm {m} \,\mathrm {s} ^{-2}} (am Äquator) und 9,867 m s − − 2 {\displaystyle 9{,}867\,\mathrm {m} \,\mathrm {s} ^{-2}} (an den Polen) betrĂ€gt. Die tatsĂ€chlich wirksame Fallbeschleunigung weicht jedoch von dem auf diese Weise berechneten Wert ab, man spricht deshalb auch vom Ortsfaktor. Diese OrtsabhĂ€ngigkeit, die auch die Richtung der Fallbeschleunigung betrifft, hĂ€ngt mit der Zentrifugalwirkung, die durch die Erdrotation hervorgerufen wird, mit der Höhe des Standorts und mit lokalen Schwereanomalien zusammen. Dementsprechend ist die Gewichtskraft im Schwerefeld der Erde nicht nur eine reine Gravitationskraft im Sinne des Gravitationsgesetzes.

Schwerelosigkeit

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Schwerelosigkeit

Wenn von „Schwerelosigkeit“ gesprochen wird, ist oft nicht die Abwesenheit von Gravitation gemeint, sondern lediglich die Abwesenheit einer der Gewichtskraft entgegengerichteten Haltekraft. Ein Körper, auf den lediglich die Gravitationskraft wirkt, befindet sich in einem Zustand des freien Falls. In diesem Sinne befindet sich auch eine Raumstation im Erdorbit im freien Fall, wobei wegen genĂŒgend großer horizontaler Bahngeschwindigkeit die Flugbahn nicht an der ErdoberflĂ€che endet, sondern um die Erde herum fĂŒhrt. In einem frei fallenden Bezugssystem sind keine Gravitationswirkungen bemerkbar. Folglich wird dieser Zustand als Schwerelosigkeit bezeichnet. Dies gilt unter der Bedingung, dass das Gravitationsfeld zumindest lokal nĂ€herungsweise homogen ist. Geringe Abweichungen davon fĂŒhren zu PhĂ€nomenen der Mikrogravitation.

KĂŒnstliche Gravitation

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KĂŒnstliche Gravitation

FĂŒr den menschlichen Körper ist ein lĂ€ngerer Aufenthalt in Schwerelosigkeit schĂ€dlich. Deshalb gibt es Überlegungen, wie man bei lang andauernden bemannten WeltraumflĂŒgen an Bord dieselben Effekte hervorrufen kann, wie sie auf der Erde durch das Schwerefeld entstehen.cite-ref-11[11] Dies wird als „kĂŒnstliche Gravitation“ bezeichnet, obwohl sie nicht auf der gegenseitigen Anziehung von Massen beruht. Stattdessen macht man sich TrĂ€gheitskrĂ€fte zunutze, und zwar entweder durch eine kontinuierliche lineare Beschleunigung oder durch die Zentrifugalkraft, die durch eine Rotation hervorgerufen wird. Zwar erscheint die Methode der Rotation praktikabler; sie hat aber den Nachteil, dass die InhomogenitĂ€t des erzeugten Feldes und die CorioliskrĂ€fte deutlicher zutage treten als beim Schwerefeld der Erde.cite-ref-12[12]

Lagrange-Punkte

In einem System aus zwei umeinander kreisenden Himmelskörpern (z. B. Erde und Sonne) gibt es konstant mitrotierende Punkte, an denen weitere Himmelskörper eine Bahn haben könnten, auf der sich alle KrĂ€fte aufheben – die sogenannten Lagrange-Punkte. Dort heben sich die GravitationskrĂ€fte der Himmelskörper und die Zentrifugalkraft der Bahnbewegung gegenseitig auf. Eine entsprechende Bahn, die einen Lagrange-Punkt verfolgt, kann stabil oder instabil sein – ein leichtes Abweichen vom Lagrange-Punkt kann eine korrigierende Kraft zurĂŒck zu dem Punkt bewirken (stabil) oder zum Ausbrechen fĂŒhren (instabil). Das Planck-Weltraumteleskop war in einem Lagrange-Punkt stationiert.

GravisphÀre

Nahe Massen haben mehr Einfluss auf die Gravitationsbeschleunigung als ferne Massen. Daher sind auch um relativ kleine Körper im Schwerefeld großer Körper Satellitenbahnen möglich. Der Raumbereich, in dem dies der Fall ist, ist die GravisphĂ€re des jeweiligen Himmelskörpers.cite-ref-13[13] Aus dem gleichen Grund ist die Gravitationsbeschleunigung eines unregelmĂ€ĂŸig geformten Körpers nicht an allen Raumpunkten auf sein Baryzentrum ausgerichtet.

Massive Gravitation

Ein Forschungsansatz untersucht eine Variante der Gravitationslehre der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie. Er postuliert, dass das Graviton massebehaftet ist. Experimentell nachzuweisen ist die massive Gravitation bislang nicht, weil sich ihr Maß in einer GrĂ¶ĂŸenordnung von 10−32 bis maximal 10−30 Elektronvolt befinden muss.cite-ref-14[14] Diese Formulierung der massiven Gravitation ist heute als „de Rham-Gabadadze-Tolley (dRGT)-Theorie“ bekannt, benannt nach ihrer Entdeckung durch Claudia de Rham, Gregory Gabadadze und Andrew J. Tolley. Ihre Forschung hilft, das Problem der kosmologischen Konstante zu lösen und könnte die beschleunigte Expansion des Universums als rein gravitativen Effekt beschreiben, wobei massive Gravitonen fĂŒr die dunkle Energie verantwortlich sind.cite-ref-15[15]

Abschirmung der Gravitation und Antigravitation

Im Bereich der Science-Fiction und Grenzwissenschaften gibt es zahlreiche Konzepte einer gravitativen Abschirmung oder einer Antigravitation. Relative Bekanntheit haben Experimente von Quirino Majorana, der um 1920 eine abschirmende Wirkung durch schwere Elemente gefunden haben willcite-ref-16[16] (entkrÀftet u. a. durch Henry Norris Russellcite-ref-17[17]), und von Jewgeni Podkletnow, der 1995 bei rotierenden Supraleitern eine Abnahme der Gewichtskraft behauptete,cite-ref-18[18] was allerdings ebenfalls nicht bestÀtigt werden konnte.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21]

Literatur

‱ Charles W. Misner, Kip S. Thorne, John A. Wheeler: Gravitation, Princeton University Press, 2017, ISBN 978-0-691-17779-3.
‱ Gravitation; In: Sterne und Weltraum, Special 6, 2001 ISSN 1434-2057
‱ Claus Kiefer: Gravitation, Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15357-3.
‱ Ephraim Fischbach, Carrick L. Talmadge: The search for non-Newtonian gravity, Springer, New York 1999, ISBN 0-387-98490-9.
‱ Torsten Fließbach: Allgemeine RelativitĂ€tstheorie, Springer Spektrum, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-53105-1.
‱ Gilles ClĂ©ment, Angie Bukley (Hrsg.): Artificial gravity, Springer, New York 2007, ISBN 978-0-387-70712-9.
‱ David Darling: Gravity's arc-the story of gravity from Aristotle to Einstein and beyond, Wiley, Hoboken N. J. 2006, ISBN 978-0-471-71989-2.
‱ Richard L. Amoroso: Gravitation and cosmology – from the Hubble radius to the Planck scale, Kluwer Academic, Dordrecht 2002, ISBN 1-4020-0885-6.
‱ Roberto de Andrade Martins: The search for gravitational absorption in the early 20th century; In: H. Goenner, J. Renn, J. Ritter (Hrsg.): The Expanding Worlds of General Relativity, Einstein Studies, Band 7, BirkhĂ€user, Boston 1999, S. 3–44.
‱ Roman Sexl, Helmuth Urbantke: Gravitation und Kosmologie: eine EinfĂŒhrung in die Allgemeine RelativitĂ€tstheorie, Spektrum Akademischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-8274-2109-8.
‱ Ulrich E. Schröder: Gravitation: EinfĂŒhrung in die Allgemeine RelativitĂ€tstheorie. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2011, 5. ĂŒberarbeitete und erweiterte Auflage, ISBN 978-3-8171-1874-8.

Weblinks

Commons

: Gravitation

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Wiktionary: Gravitation

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wiktionary: Schwerkraft

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ Max-Planck-Institut fĂŒr Gravitationsphysik
‱ Die Gravitation – fundamentale Eigenschaften
‱ A new way to visualize General Relativity. ScienceClic English (YouTube), 11:32 Minuten (englisch)

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ PONS Deutsch – Latein, Erstbedeutungen von gravitas
cite-note-22. ↑ Edward Grant: The Nature of Natural Philosophy in the Late Middle Ages. Washington 2010, S. 63; Planets, Stars, and Orbs: The Medieval Cosmos, 1200–1687. 1994/96, S. 165; A Source Book in Medieval Science, Band 1. Zusammengestellt von Edward Grant, 1974, S. 551; Paul S. Agutter, Denys N. Wheatley: Thinking about Life: The history and philosophy of biology and other sciences. 2008, S. 59
cite-note-33. ↑ zitiert nach: Nicolaus Coppernicus aus Thorn ĂŒber die Kreisbewegungen der Weltkörper. (Deutsche Übersetzung von C. L. Menzzer, 1879.), S. 23 wikisource; Original: „Equidem existimo, gravitatem non aliud esse, quam appetentiam quandam naturalem partibus inditam a divina providentia opificis universorum, ut in unitatem integritatemque suam sese conferant in formam globi coeuntes. Quam affectionem credibile est etiam Soli, Lunae, caeterisque errantium fulgoribus inesse 
“ Lib. I, Cap. IX wikisource; s. a. Johann Samuel Traugott Gehler: Physikalisches Wörterbuch. Band 2, Leipzig 1789, S. 519
cite-note-44. ↑ Astronomia nova. Neue ursĂ€chlich begrĂŒndete Astronomie (Übersetzung von Max Caspar, 1929 und Fritz Krafft, Wiesbaden 2005.), S. 28–29; Original: Scan des Druckexemplars der ETH-Bibliothek ZĂŒrich (abgerufen am 24. MĂ€rz 2014); s. a. Johann Samuel Traugott Gehler: Physikalisches Wörterbuch. Band 2, Leipzig 1789, S. 519 und Florian Freistetter: Johannes Kepler: Astronomia Nova – Die Einleitung (3) In: scienceblogs.de, abgerufen am 24. MĂ€rz 2014)
cite-note-55. ↑ Heinz Klaus Strick: Gilles Personne Roberval (1602–1675): Entdecker der Schwerkraft. Spektrum.de-Artikel
cite-note-66. ↑ Harry Nussbaumer: Revolution am Himmel: wie die kopernikanische Wende die Astronomie verĂ€nderte. ZĂŒrich 2011, S. 237; Eberhard Knobloch: Das Weltbild in den Wissenschaften – Geschichte einer Konzeption. in: Christoph Markschies, Johannes Zachhuber (Hrsg.): Die Welt als Bild: InterdisziplinĂ€re BeitrĂ€ge zur VisualitĂ€t von Weltbildern. Berlin 2008, S. 227–246, S. 242
cite-note-77. ↑ Albert Einstein: Die Grundlagen der Allgemeinen RelativitĂ€tstheorie. In: Annalen der Physik. 4, 49. PDF
cite-note-88. ↑ CODATA Recommended Values (2022). National Institute of Standards and Technology, abgerufen am 10. Juni 2024. Relative Unsicherheit 2,2·10−5
cite-note-99. ↑ H. Colella, A. W. Overhauser, S. A. Werner: Observation of Gravitationally Induced Quantum Interference, Phys. Rev. Lett. 34 (1975) S. 1472
cite-note-1010. ↑ Hartmut Abele, Helmut Leeb: Gravitation and quantum interference experiments with neutrons, New Journal of Physics 14 (2012) 055010, doi:10.1088/1367-2630/14/5/055010.
cite-note-1111. ↑ Kann man Schwerkraft kĂŒnstlich erzeugen? In: Wissenschaft im Dialog. 21. September 2014, abgerufen am 3. Juli 2023.
cite-note-1212. ↑ ClĂ©ment, Gilles R.; Charles, John B.; Norsk, Peter; Paloski, William H.: Artificial Gravity. In: Human Research Program Human Health Countermeasures Element. 6. Auflage. National Aeronautics and Space Administration, Houston 12. Mai 2015, S. 5–9 (englisch, nasa.gov [PDF]).
cite-note-1313. ↑ M. D. Kislik: Spheres of Influence of Large Planets and the Moon, Cosmic Research, Vol 2, 1964, S. 853–858.
cite-note-1414. ↑ Manon Bischoff: GeisterjĂ€gerin knackt das grĂ¶ĂŸte RĂ€tsel der Kosmologie, in: spektrum.de, 13. Januar 2026, https://www.spektrum.de/news/claudia-de-rham-entschluesselt-die-raetsel-der-schwerkraft/2259673 (abgerufen am 15. Januar 2026).
cite-note-1515. ↑ Claudia de Rham 2020 United Kingdom Award Winner, Blavatnik Awards New Scientists, abgerufen am 15. Januar 2026.
cite-note-1616. ↑ Q. Majorana: On gravitation. Theoretical and experimental researches. In: Philosophical Magazine. Band 39, 1920. S. 488–504.
cite-note-1717. ↑ H. N. Russell: On Majorana’s theory of gravitation. In: Astrophysical Journal. Band 54, 1921. S. 334–346. bibcode:1921ApJ....54..334R.
cite-note-1818. ↑ arxiv:physics/0108005 Podkletnov's Originalveröffentlichung
cite-note-1919. ↑ N. Li, D. Noever, T. Robertson, R. Koczor, W. Brantley: Static Test for a Gravitational Force Coupled to Type II YBCO Superconductors; In: Physica C, Band 281, 1997, S. 260–267.
cite-note-2020. ↑ C. Woods, S. Cooke, J. Helme, C. Caldwell: Gravity Modification by High Temperature Superconductors; In: Joint Propulsion Conference, AIAA 2001-3363, 2001.
cite-note-2121. ↑ Hathaway, Cleveland, Bao: Gravity modification experiment using a rotating superconducting disk and radio frequency fields; In: Physica C, Band 385, 2003, S. 488–500.